Best Of 2011

Die Alben des Jahres

Ashes & Fire (2011) by Ryan Adams

Vor zehn Jahren war Ryan Adams der unangefochtene König des Alt-Country mit den entsprechenden Platinauszeichnungen und Scharen von Promi-Fans. Aber wie man es von einem fast schon schwindelerregend produktiven Künstler nicht anders erwarten kann, hat die Qualität von Adams‘ Alben zwischendurch auch mal eingebüßt, so dass man nebst umwerfend schönen Platten wie Love is Hell auch gelegentlichen Tiefs begegnen kann, siehe Adams‘ letztjähriger Ausflug in den Sci-Fi Metal. Drogenfrei und glücklich verheiratet kam Ryan Adams zurück und bewies mit Album Nummer 13, dass er sich wieder auf die “umwerfend schönen“ Alben konzentrieren möchte. Warm, einfühlsam und mit analogem Charme bringt Ashes & Fire den Musiker zu seinen Wurzeln zurück.

Casper (2011) by Casper

Casper weiß: nichts setzt so viel Kraft frei, wie zielsicher einen Nerv zu treffen. Es gelang ihm auf XOXO scheinbar mühelos, unmittelbar Privates in großes Storytelling zu übersetzen und dabei gleichzeitig eine spür-, aber kaum greifbare kollektive Gemütslage einzufangen. Dieses Album ist beides, das Selbstportrait eines Künstlers, der tatsächlich etwas zu sagen hat und das Manifest einer Generation, die irgendwo zwischen Reizüberflutung, Scheinfreiheit und Selbstverwirklichungsdruck nach Halt sucht. Man muss froh sein, wenn unter den gegenwärtigen deutschen Künstlern jemand eine dieser beiden Übungen meistert. Casper muss man zu seiner sich selbst und seine Lebensrealität spiegelnden Sprache einfach nur gratulieren. Mit dabei: Thees Uhlmann und Marteria.

Let England Shake (2011) by PJ Harvey

PJ Harvey hat praktisch zwei Dekaden damit verbracht, musikalische Grenzen auszuloten mit ihren vielseitigen und immer brillianten Veröffentlichungen und scheint keine Absicht zu haben, damit in naher Zukunft aufzuhören. Dieses Mal hat sie die traumhaften Pianoballaden von White Chalk gegen folkige Vocals und dem komplexen Einsatz von Zither und Gitarre eingetauscht und nimmt zum ersten Mal deutlich politisch Haltung ein. In Songs wie The Words That Maketh Murder und The Glorious Land werden brutale Abhandlungen von Frau Harvey wie gewohnt mit einem Händchen für das Absurd-Schöne umgesetzt und auf dem gesamten Album sitzt jede einzelne Note genau richtig. Möglicherweise PJ Harvey’s bestes Album bisher.

Bon Iver (2011) by Bon Iver

Es gibt wahrscheinlich nicht viele befriedigendere Wege, ein Beziehungsende und die Auflösung Deiner Band zu verarbeiten, als mit einer neuen, besseren Band und einem Hitalbum. Dank dem durchschlagenden Erfolg von For Emma, Forever Ago hat Justin Vernon nun genug Kohle für ein eigenes Tonstudio und den Respekt, der sogar Kanye West um eine Kollaboration bitten läßt. Das selbstbetitelte Bon Iver war eines der sehnlichst erwarteten Alben 2011. Vernon hat mit der Hilfe von ein paar Freunden ein absolut auf Perfektion poliertes Album mit herausragender emotionaler Intelligenz produziert. Tja, wer zuletzt lacht ... !


Die Besten im Überblick